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Mit Pelletheiztechnik Schritt für Schritt zum wärmeautarken Eigenheim der Zukunft

Interview mit Beate Schmidt-Menig von ÖkoFEN

Frau Beate Schmidt-Menig ist in der Geschäftsleitung von ÖkoFEN verantwortlich für die Bereiche Marketing und Vertrieb. Als langjähriger Partner unterstützt ÖkoFEN die Aktion Holzpellets der EnergieAgentur.NRW. Die Firma ÖkoFEN ist einer der führenden Spezialisten und Innovationstreiber im Bereich Pelletheizungen. Mit Vertriebsgesellschaften in 17 Ländern, einer hochmodernen Produktion und über 75.000 installierten Systemen ist ÖkoFEN erfolgreich europaweit in diesem Segment aktiv. Im Interview mit der EnergieAgentur.NRW spricht Beate Schmidt-Menig über die neuesten Innovationen in der Pelletheiztechnik und die Zukunft der Branche.


1.    Frau Schmidt-Menig, wie lange sind Sie schon in der Holzpellet-Branche tätig?

Holzpellets begeistern mich nun seit über 15 Jahren. Als gebürtige NRWlerin übernahm ich im April 2003 den Aufbau und die Projektleitung der Aktion Holzpellets in Düsseldorf. Das Umweltministerium hatte damals diese Werbekampagne ins Leben gerufen, um Holzpelletheizungen einen größeren Marktanteil zu verschaffen. Danach haben mich die kleinen Presslinge nicht mehr losgelassen. Im Jahr 2007 bin ich dann zu der Firma ÖkoFEN - nach Bayern, in die Nähe von Augsburg gegangen. Dort habe ich zuerst als Marketingleiterin begonnen und bin seit 2009 in der Geschäftsleitung für die Bereiche Marketing und Vertrieb verantwortlich.


2.    Die Nachfrage nach Pelletkesseln am Markt ist eher verhalten. Warum sollte man auf Pelletheiztechnik setzen? Schließlich gibt es noch andere Möglichkeiten zu Heizen (Gas, Öl usw.). Was sind die Vorteile von Pellets gegenüber anderen Heizmöglichkeiten?

Die Vorteile von Pellets gegenüber anderen Heizmöglichkeiten liegen natürlich im Umweltschutz. Mit dem Einsatz von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas oder auch dem konventionell erzeugten Strom, wird Deutschland seine Klimaschutzziele nicht erreichen.  
Neben dem klimaschädlichen CO2-Ausstoß belasten diese Brennstoffe die Umwelt und müssen über weite Strecken importiert werden. Viele unserer Kunden schreckt auch der Gedanke ab, von geopolitisch instabilen Ländern im Nahen Osten abhängig zu sein wie Iran, Irak, Saudi Arabien, Libyen oder auch von den Gasimporten aus Russland.
Pellets hingegen werden aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gewonnen. Holz ist eine der wenigen Rohstoffressourcen, die Deutschland vorzuweisen hat. Dabei wird der Brennstoff als Nebenprodukt der Holzindustrie gewonnen. Für Pellets wird kein Baum gefällt, sondern nur die anfallenden Sägespäne im Sägewerk zum Brennstoff veredelt und somit die Wertschöpfung erhöht.
60 Pellet-Produktionen sind derzeit dezentral in Deutschland verteilt und damit sind die Transportwege zum Kunden entsprechend kurz. Die regionale Wertschöpfung sorgt dafür, dass das Geld vor Ort bleibt und Arbeitsplätze in der Produktion, im Handel und auch im Handwerk geschaffen und gesichert werden.


3.    Wie sieht es aus mit den Kosten?

Auch beim Thema Kosten bzw. Preisstabilität hat der heimische Brennstoff Pellets die Nase vorn. Gerade Heizöl unterliegt starken Schwankungen, die für den Verbraucher nicht planbare Kosten bedeuten. Betrachtet man den Pelletpreis in den vergangenen 18 Jahren, so ist er seither um 38 Prozent gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von nur 2 Prozent pro Jahr. Im Vergleich dazu muss der Verbraucher, der Erdgas nutzt, seit dem Jahr 2000 um 77 Prozenttiefer in die Tasche greifen und der Heizöl-Kunde sogar um 164 Prozent.


4.    Wie hat sich die Branche im Hinblick auf die Technik in den letzten Jahren entwickelt?

Wie die gesamte Heizungsbranche entwickelt sich auch die Pelletheiztechnik natürlich stetig weiter. Die Premiumhersteller stellen den Komfort und die Bedienerfreundlichkeit für den Verbraucher in den Vordergrund. Einfache Ascheentleerungssysteme, intelligente und platzsparende Pelletlagertechnik und digitale Bedienungen per Touch-Regler, Tablet und App sind nur drei Beispiele für innovative Entwicklungen der letzten Zeit. Kleine kompakte, wand- und eckbündig aufzustellende Kessel, die auch in den kleinsten Haustechnikräumen Platz finden, sind besonders für den Neubau gefragt und wurden in den letzten Jahren vermehrt von der Branche entwickelt. Für das Fachhandwerk wurde der Fokus auf montagefreundliche Kessel und Kombigeräte, mit Vorinstallationen an Pumpengruppen etc. entwickelt, die einfach einzubringen sind und Montagezeiten und –kosten verringern.
Für den Verbraucher stehen hochmoderne Heizkessel für jeden Bedarf zur Verfügung.

 
5.    Welche Innovationen bestimmen momentan die Pelletbranche?

Da ist sicherlich der Einzug der Pelletbrennwerttechnik zu nennen. Diese Brennwertkessel sind besonders emissionsarm und können Wirkungsgrade nahe dem physikalischen Maximum von bis zu 107 Prozent erreichen. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass auch die Abwärme, die sonst ungenutzt durch den Schornstein entweicht, zusätzlich genutzt wird. Das wiederum senkt den Pelletverbrauch und spart Heizkosten.


6.    Welchen Herausforderungen muss sich die Branche stellen – beispielsweise im Hinblick auf die Digitalisierung?

Generell wird die Bedienung von Haushaltsgeräten per Smartphone, Tablet & PC zukünftig einen großen Stellenwert einnehmen bzw. zu einer absoluten Selbstverständlichkeit werden. Diesem Trend im Eigenheim kann sich auch die Heizungsbranche nicht verschließen.

Der Markt bietet zusätzlich die Möglichkeit der intelligenten Bedienung der Kessel mit Smart-Home-Lautsprechern, wie beispielsweise Alexa an. So kann man per Sprachbefehl die Raumtemperatur ändern oder auch erfragen, wie viele Pellets sich noch im Lagerraum befinden. Zudem haben wir Schnittstellen zu Smart Home Systemen wie „Loxone“ oder Auto-Ladestationen wie „Keba Wallbox“ geschaffen. Die Weichen für „digitales Heizen mit Holzpellets“ sind damit gestellt.


7.    Bleiben wir in der Zukunft und den Anforderungen der Kunden: wie sieht die Holzpelletanlage der Zukunft aus?

In Zeiten von schwankenden Energiepreisen und stockender Energiewende sehnen sich viele Verbraucher nach mehr Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit bei der Strom- und Wärmeversorgung. Bisher waren Gedanken an ein ökologisches strom- und wärmeautarkes Eigenheim jedoch reine Zukunftsmusik. Eine komplette Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen schien sehr unwahrscheinlich. Es besteht jedoch die Möglichkeit der stromproduzierenden Pelletheizung in Kombination mit Sonnenenergie und Stromspeicher: Dank eines modular aufgebauten Systems erreichen Verbraucher Schritt für Schritt so ihre ganz persönliche Unabhängigkeit.


8.    Das klingt interessant. Wie genau funktioniert das?

Hierfür kann eine Photovoltaik-Anlage rund 30 Prozent des Strombedarfs eines Einfamilienhauses decken. Mit einem Batteriespeicher lässt sich die Energieunabhängigkeit auf circa 70 Prozent erhöhen. In den sonnenarmen Monaten von Oktober bis März, in denen nur ein geringer Ertrag von der PV-Anlage zur erwarten ist, aber in der Regel die Heizung läuft, wird durch den Pelletbrennwertkessel samt Stirlingtechnologie gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt und somit die bisherige Stromlücke gefüllt. Der Stirlinggenerator, der auch erst nachträglich installiert werden kann, wird durch die Verbrennungswärme der Heizung angetrieben und erzeugt dann, wenn die Heizung läuft, gleichzeitig auch Strom. Durch ein sogenanntes e-Ready-Paket, halten sich Verbraucher alle Optionen für eine spätere Nachrüstung des Stromerzeugers offen. Durch die Notstromfunktion kann der Stirlingmotor auch bei Netzausfall Strom zur Verfügung stellen, wodurch die Heizung auch weiter Wärme produzieren kann. Die Pelletheizung von Morgen gibt es also schon heute!


9.    Denken wir einmal groß: Haben Pellets (als Rohstoff) das Potenzial Millionen von Haushalten in Deutschland zu beheizen? Wie sieht das Wachstum der Pelletproduktion aus?


Deutschland verfügt über die größten nutzbaren Holzvorräte in der EU und verzeichnet einen jährlichen Zuwachs um über 120 Millionen m3 Holz. Die Sägeindustrie in Deutschland verarbeitet 35-40 Millionen m3 Rundholz, davon rund 40 Prozent als Sägenebenprodukte. Das entspricht einer Menge von 13-15 Millionen m3 Sägenebenprodukten jährlich. Allein aus diesen Rohstoffmengen könnten zwischen 7 und 8 Millionen Tonnen Pellets produziert werden und über 1 Million Pelletheizungen versorgt werden. Und das sind nur die aktuell anfallenden Sägenebenprodukte. Die dezentralen Strukturen gewährleisten innerhalb Deutschlands eine sichere Bezugsquelle, die auch mit der Zeit gesund mitwachsen kann. Derzeit werden bundesweit an 60 Standorten Pellets produziert. Eine Auswertung des Deutschen Pelletinstituts zeigt, dass in Deutschland die letzten Jahre Pellet-Produktionsmengen kontinuierlich ausgebaut wurden und der Inlandsabsatz daraus komplett gedeckt werden kann.
Letzen Endes wird es immer einen Energiemix mit anderen erneuerbaren Rohstoffen und Energien geben, der die Wärme- und Stromversorgung in Deutschland unabhängig und umweltfreundlich werden lässt.


10.    Wie kann Pelletheiztechnik zur Energiewende am Wärmemarkt beitragen, welche Weichen müssten dafür (in der Politik) noch gestellt werden?

Es wird auf den Mix und eine kluge Energiepolitik ankommen, um eine schnelle, umweltfreundliche und nachhaltige Energiewende voranzubringen. Pelletheizungen müssen dabei eine noch größere Rolle als bisher spielen, denn die Technik ist ausgereift, die Versorgungs-Infrastruktur vorhanden und die bestehenden alten Ölheizungen könnten schnell und problemlos ersetzt werden. Dabei kommt dem Fachhandwerk eine große Bedeutung zu. Leider machen sich auch hier der Fachkräftemangel und der fehlende Nachwuchs bemerkbar.
Ein interessanter Fakt ist die Förderung, die für Pelletheizungen finanziell besonders attraktiv ist. Allerdings wissen die meisten Verbraucher nichts über die Förderprogramme von Bund und Ländern. Damit fehlt es an Anreizwirkung. Ein wesentlicher wirksamerer Mechanismus wäre eine CO2-Steuer, nach dem Verursacher-Prinzip. Wer CO2 ausstößt wird besteuert, wer auf umweltfreundliche und CO2 neutrale Verbrennung setzt wird belohnt.
Leider zielt die Energiewende in den Medien zum größten Teil auf den Strom-Sektor ab. Vergessen wird, dass im Einfamilienhaus der Hebel über den Wärmebedarf enorm groß wäre, denn fast 90 Prozent der Energie werden im Haushalt für Heizung und Warmwasser verbraucht. Deshalb sollte das Thema auch einen deutlich höheren Stellenwert in der Diskussion über die Energiewende bekommen, der auch seiner tatsächlichen Bedeutung entspricht.


Das Interview führte die Aktion Holzpellets im Januar mit Beate Schmidt-Menig, Geschäftsleitung Marketing & Vertrieb bei ÖkoFEN Deutschland

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